PortraetFranz Klug: Holzgefäße

Vita

Jahrgang 1958

Erste „Gehversuche“ mit der Drechselbank 1990

Ernsthafte Beschäftigung mit der Formgebung seit 2008

2010 erste Teilnahme an Kunsthandwerker-Markt

2011 Workshop bei Ernst Gamperl

 

Es ist die Kombination aus Maschinenarbeit und Handarbeit beim Führen des Drehstahls, die das Drechseln für den Elektrotechnik-Ingenieur bereits früh interessant machte. Die erste eigene Drechselbank wurde während des Studiums selbst gebaut.

Das Drechseln war anfänglich eher als ein willkommener Ausgleich zur Bürotätigkeit gedacht. Aus dem Hobby entwickelte sich im Lauf der Jahre ein immer tieferer Bezug zu den hergestellten Objekten, verbunden mit mehr Ernsthaftigkeit bei der Suche nach „der perfekten Form“: mal wuchtig/urig, mal klassisch/elegant oder auch mal ganz einfach nur zeitlos schön. Es geht letztlich darum, ein Spannungsfeld aufzubauen zwischen der individuellen Schönheit der Holzmaserung des einzelnen Werkstücks und dem Finden einer strengen und doch harmonischen Form.

In den letzten Jahren führte dies zur regelmäßigen Teilnahme an Weihnachtsmärkten und Ausführung von Kundenbestellungen.

 

Objekte

Als Material werden fast ausschließlich die heimischen Harthölzer wie Ahorn, Eiche, Esche sowie natürlich die Obsthölzer Kirsche, Nuss und Apfel verwendet. Die mit der Kettensäge zunächst  grob vorbereiteten Stücke werden anschließend auf der Drechselbank weiter bearbeitet. Für Gebrauchsobjekte wie z.B. Salatschüsseln bedeutet dies, die Form mit zunächst noch größerer Wandstärke zu erstellen, über einige Monate langsam trocknen zu lassen und schließlich in die fertige Form zu bringen. Oder aber die Objekte werden direkt aus dem (tropf-)nassen Holz in einem Schritt zu dünnwandigen Gefäßen verarbeitet, so dass das Schwinden des Holzes beim Trocknen dann einen gewollten „Schwung“ in das Objekt bringt. Benachbarte Äste und Unregelmäßigkeiten des Wuchses hinterlassen dabei ihre charakteristischen Spuren. Risse, Verfärbungen  oder Rindeneinschlüsse haben ebenso ihre Berechtigung und machen jedes Stück zum Unikat. 

Nicht zuletzt der Respekt vor dem Alter des Baums gebietet es, achtsam mit dem Material umzugehen und möglichst alle Abschnitte des Baums zu nützen, vom Wurzelstock bis zu den Astgabeln. Krumm gewachsene, unregelmäßige Stammabschnitte, mit Fehlstellen im Wuchs, die beispielsweise von früheren Verletzungen des Baums herrühren, werden auf dem Holzlagerplatz ausgewählt, danach oft mehrmals prüfend in die Hand genommen und wieder zur Seite gelegt, bis eines Tages „DIE Vision“ da ist. Es braucht viel Erfahrung, um in einem unregelmäßigen Holzklotz die „darin schlummernde“ Schale zu sehen. Aber dann muss ja bekanntlich einfach „nur noch das überschüssige Material“ weggeschnitten zu werden um das Objekt zu schaffen…

Die Arbeit an einem Gefäß erfordert mehrere Stunden hoch konzentrierter Arbeit. Der Rohling rotiert fest eingespannt in der Maschine und der Drehstahl wird  mit der Hand geführt, wobei der restliche Körper die Bewegung unterstützen muss, um eine fließende und „stimmige“ Form zu erhalten. Das sichere Halten des Drehstahls erfordert einerseits genügend Kraft, es darf aber andererseits nicht zur Verkrampfung führen. Nach dem Drehen der äußeren Form wird das Objekt umgespannt und es folgt das Innenausdrehen. Besonders bei sehr dünnwandigen Objekten ist dies der spannendste Teil der Arbeit: eine kleine Unaufmerksamkeit und das gesamte Werkstück wäre unwiederbringlich verdorben. Nach abgeschlossener Formgebung wird das Objekt von außen und innen fein geschliffen, dann folgt die Oberflächenbehandlung ölen/ wachsen. Bei den Gefäßen aus Eichenholz wird zuvor noch eine Behandlung mit Kalkmilch oder Eisenoxid eingefügt, um die Farbwirkung zu vertiefen.

Immer wieder gibt es natürlich auch Rückschläge, beispielsweise wenn ein anfangs nicht sichtbarer Materialfehler das Stück unbrauchbar macht oder bei der Trocknung ein Riss außer Kontrolle gerät. Oder es gibt einen Materialeinschluss im Wurzelholz, der die weitere Bearbeitung unmöglich macht. Die Arbeit an einem neuen Stück ist vergleichbar dem Auspacken eines Geburtstagsgeschenks: es kann einen wunderschönen Inhalt enthalten; oder manchmal eben auch nicht…